Lieber Leser,

die Ferienzeit hat begonnen und da möchte ich mal wieder das Thema Reise eines behinderten Menschen ins Ausland beleuchten. Die Hauptgrund für eine nicht gut laufende Reise ist in der Regel eine nicht ausreichende Vorbereitung und Planung. Hat man aber die Logistik (siehe unsere Blogs zu Flugreisen und Mietwagen) erstmal geklärt, wähnt man sich schon fast am Ziel. Dabei muss man gerade beim Bedarf medizinischer Geräte oder eines E-Rollis darauf achten, dass auch die Versorgung vor Ort gewährleistet bleibt.

Nichts ist lästiger, als wenn ein Reifen vom Rollstuhl plötzlich platt ist und man keinen Ersatzschlauch dabei hat. Die Beschaffung kann recht kompliziert sein und wir sind aus diesem Grund schon vor langer Zeit auf Vollgummireifen umgestiegen.

Aber das sind Nebensächlichkeiten, zu der Thematik, dass ein medizinisches Gerät seinen Geist aufgibt. Von diesem Problem wollte ich hier näher berichten, weil uns genau das auf unserer Reise nach New York ereilt hat. Uns war natürlich bewusst, dass wir in Amerika mit 110 Volt anstatt 220-240 Volt zurechtkommen mussten. Leider haben wir uns dabei aber auf die Herstellerangaben auf den Geräten und in den Bedienungsanleitungen verlassen und nicht vorher nochmal beim Lieferanten nachgefragt. Mit fatalen Folgen, von denen ich Ihnen hier berichten möchte.

Wir kamen am späten Nachmittag am JFK Flughafen in New York an und wollten auch gleich mit dem vorbestellten Rollstuhlservice nach Manhattan reinfahren. Nur leider war vom Anbieter Go Airlink kein Fahrzeug vorhanden und als dann eines kam, war es nicht dafür geeignet, unseren Elektrorollstuhl zu transportieren. Letztendlich haben wir für den Rollstuhl und unser Gepäck (Koffer, Kisten mit Beatmungsgerät etc.) zwei Taxis in die Stadt nehmen müssen. Hier sei noch erwähnt, dass die Rückfahrt zwar über Go Airlink lief, aber letzlich ein Uber Taxi die Fahrt gemacht hat. Der Fahrer und das Fahrzeug waren super, so dass ich beim nächsten Mal lieber direkt bei Uber anfragen würde.

Endlich im Hotel angekommen, haben wir schnell die Koffer aufs Zimmer gebracht, den Dauerkatheter für die Flugreise (normalerweise machen wir Einmalkatheterisieren) gezogen und auf ging es in die Stadt, um einen ersten Eindruck dieser tollen Metropole zu erhalten. Leider waren wir dann doch schnell müde und sind nach einem Abendessen zurück ins Hotel, wo wir eigentlich nur noch schlafen wollten.

Schnell noch das Beatmungsgerät, Befeuchter, Absauger etc. angeschlossen und ab ging es ins Bett. Leider nicht sehr lange, denn nach ca. einer Stunde fing die Befeuchterkammer an, Alarm zu geben. Wir also wieder raus aus dem Bett und auf Ursachenforschung gegangen. Schlauch in Ordnung, Zuleitung Aqua, Verkabelung alles schien in Ordnung. Also als nächstes die Befeuchterkammer ausgetauscht, dann den Schlauch etc.. Wer das mal gemacht hat, weiss wie lange das dauern kann. Aber letzten Endes alles ohne Ergebnis, so dass ich beim Notdienst unseres Lieferanten angerufen habe. Leider fühlte man sich da auch nicht in der Lage, uns wirklich weiterzuhelfen, so dass wir ab dann den Urlaub ohne Befeuchter verbringen konnten. Glücklicherweise funktionierte unser Aeroneb Vernebler sehr gut, so dass wir abwechselnd alle 2 Stunden aufgestanden sind, um diesen zu befüllen und neu zu starten. Ein Traum bei 14 Tagen USA Aufenthalt und unglaublich erholsam ;-(
So und nun zur eigentlichen Ursache: 110 Volt sollte zwar funktionieren, tut es aber nicht !!! Zu Hause zurück lief das Ding wieder ganz normal. Nur gut, dass das Beatmungsgeräte keine Macken hatte.

Das nächste Highlight kam schon am nächsten Tag. Wir waren sicherlich schon 10 km durch diese fazinierende Stadt gelaufen und inzwischen im Central Park angekommen, als unser Sohn uns mitteilte, dass der E-Rolli jeden Moment keinen Saft mehr haben würde. Wir also auf dem nächsten Weg aus dem Central Park raus und uns an die nächste Bushaltestelle gestellt, von der aus uns ein Bus in Richtung Hotel bringen konnte. Leider hatten wir aber noch keine Metrocard, die man nur an zentralen Punkten (z.B. Grand Central Station) kaufen kann. Nachdem wir aber dem Busfahrer unser Problem geschildert hatten, hat er uns auch so mitgenommen. Sehr hilfsbereit die Amis.

Zurück im Hotel haben wir dann erstmal eine Pause gemacht und den Rolli aufgeladen. Glücklicherweise steckte uns da noch der Jetlag in den Knochen, so dass wir nur noch ein schnelles Abendessen brauchten und dann sowieso schlafen gehen wollten, während der E-Rolli aufgeladen wurde.

Soweit zur Theorie. Am nächsten Morgen wollten wir als erstes auf das Empire State Buildung, da dieses nur 4 Blocks entfernt von unserem Hotel lag. Genau zwei Blocks hat dann der E-Rolli gehalten, bevor er schon keine Kraft mehr hatte, nur den Bordstein hochzufahren. Sonntagmorgen um 8:30, ich sah schon unseren ganzen Tag und mehr den Bach runter gehen. Aber dann habe ich die Motoren ausgeschaltet und dieses 160 kg Monstrum von E-Rolli einfach per Hand ins Empire State Building geschoben, da ich mir dachte, wenigstens dieses Erlebnis kriegen wir auch ohne Strom hin.

Der Weg hat sich gelohnt und die Aussicht war super, womit wir aber nicht gerechnet hatten, war, dass oben auf dem ESB ein Klapprollstuhl mit einer Werbung von Big Apple Mobility stehen würde. Wir also die Nummer fotografiert und dann nach fast zwei Stunden Ausblick geniessen, runter und Frühstück im nächsten Starbucks – mit WLAN und Steckdose für das mitgeschleppte Ladegerät. Während die Steckdose mal gar nichts brachte, waren wir im WLAN erfolgreicher. Bigapple Mobility war nur ein paar Blocks entfernt und man höre und staune, hatte auch noch Sonntags auf. Wir also den E-Rolli auch noch über den Timesquare dahingeschoben und siehe da, man konnte uns helfen. Laut Aussage des Technikers vor Ort hatten wir das europäische Standardproblem. Angeblich können die europäischen Ladegeräte mit 110 Volt umgehen, können sie aber nicht. Mindestens einmal pro Woche steht ein Europäer mit dem gleichen Problem dort im Laden. Wir also den E-Rolli an ein lokales Ladegerät gehängt, einen Schieberollstuhl ausgeliehen und wieder zurück in die Stadt. Zwei Stunden später durften wir unseren E-Rolli angenehm aufgeladen wieder abholen und gegen die Kleinigkeit von 350 USD ein neues Ladegerät unser Eigen nennen. Wer erkennt hier unten den Unterschied? Links DE, rechts USA.

Danach lief der Urlaub Gott sei Dank reibungslos, aber den Fehler mit dem Strom werden wir nicht mehr machen. Hoffentlich 😉